Wertvolle österreichische Briefmarken

Österreich gehört zu den ganz großen Namen der klassischen Philatelie. Schon 1850 gab die k.k. Post ihre ersten Briefmarken heraus, und die Kaiserzeit brachte einige der berühmtesten Raritäten Europas hervor – allen voran den legendären Zinnoberroten Merkur von 1851, der zu den teuersten Marken des Kontinents zählt. Wer ein altes Album aus Österreich geerbt hat oder wissen will, welche alten Briefmarken aus Österreich wirklich Wert haben, findet in diesem Ratgeber die rund 15 wichtigsten wertvollen österreichischen Briefmarken – mit ungefähren Preisspannen und Hinweisen, woran Sie die teuren Varianten erkennen.

Die wertvollsten österreichischen Briefmarken im Überblick

Diese Ausgaben stehen bei Sammlern ganz oben auf der Suchliste. Alle Werte sind Spannen für echte Exemplare und schwanken stark je nach Erhaltung – von einfachen gestempelten Stücken bis zu Prachtstücken mit Attest.

MarkeJahrWarum sie zähltWertspanne
Zinnoberroter Merkur1851Zeitungsmarke, eine der größten Raritäten Europas40.000 € – 100.000 €+
Erste Ausgabe, seltene Typen (1 Kr. gelb, 9 Kr.)1850Erste Marken Österreichs; Papiersorten und Typen entscheiden20 € – 15.000 €+
WIPA-Block1933Berühmtester Block Österreichs, kleine Auflage2.000 € – 6.000 €+
10 Schilling Dollfuß1936Höchster Nennwert seiner Zeit, winzige Auflage1.500 € – 6.000 €
Geburtstagsausgabe, hohe Kronenwerte1910Prunkserie zum 80. Geburtstag Franz Josephs200 € – 2.000 €
Nachkriegs-Aufdruckraritäten (Grazer Aufdruck u. a.)1945Chaosjahre nach dem Krieg, seltene Aufdrucktypen50 € – 5.000 €

1. Die Erste Ausgabe von 1850 – der Anfang der österreichischen Philatelie

Am 1. Juni 1850 erschienen die ersten Briefmarken des Kaisertums Österreich: das Wappen-Design in fünf Werten von 1 bis 9 Kreuzer. Für den Wert entscheidend ist weniger der Nennwert als das Papier und der Typ. Die frühen Drucke auf Handpapier (oft mit sichtbarer, unregelmäßiger Struktur) sind deutlich mehr wert als die späteren auf glattem Maschinenpapier. Eine Sonderstellung hat das seltene geripptes Papier, dessen feine parallele Rippung Exemplare in den vierstelligen Bereich heben kann. Die 1 Kreuzer gelb in seltenen Farbnuancen (etwa Kadmiumgelb) und bestimmte Typen der 9 Kreuzer zählen zu den gesuchtesten Stücken; einfache Exemplare beginnen bei rund 20 €, seltene Typen und Papiere erreichen 5.000 € bis über 15.000 € – je nach Erhaltung.

2. Der Zinnoberrote Merkur (1851) – Österreichs größte Rarität

1851 gab Österreich als eines der ersten Länder der Welt eigene Zeitungsmarken heraus, mit dem Kopf des Götterboten Merkur. Der Blaue Merkur war die Normalmarke und ist häufig – doch die für ganze Zeitungspakete verwendeten hohen Werte sind Raritäten. Der Zinnoberrote Merkur (für 50 Zeitungsexemplare) wurde fast immer auf Streifbändern verbraucht und weggeworfen; nur wenige Dutzend echte Exemplare haben überlebt. Er gilt als eine der größten Raritäten Europas und wird je nach Erhaltung zwischen etwa 40.000 € und weit über 100.000 € gehandelt. Auch der Gelbe Merkur (5.000 € – 40.000 €) und der Rosa Merkur (1.000 € – 15.000 €) sind ernsthafte Werte.

Fälschungswarnung

  • Der Zinnoberrote Merkur gehört zu den am häufigsten gefälschten Marken der Welt – meist als chemisch umgefärbter Blauer Merkur oder als Neudruck. Behandeln Sie kein Exemplar als echt, bevor ein anerkannter Prüfer (z. B. ein Verbandsprüfer für Österreich) ein Attest ausgestellt hat.

3. Lombardei-Venetien (ab 1850)

Für seine italienischen Provinzen gab Österreich parallele Ausgaben in Centesimi- und Soldi-Währung heraus. Die Marken für Lombardei-Venetien sehen den österreichischen Wappenmarken zum Verwechseln ähnlich, sind aber ein eigenes, hoch gehandeltes Sammelgebiet. Seltene Papiere, Typen und saubere italienische Ortsstempel bringen von 50 € bis in den fünfstelligen Bereich – besonders die frühen Handpapier-Drucke und Briefe je nach Erhaltung.

4. Franz-Joseph-Ausgaben (1858–1908)

Die Kopfbilder von Kaiser Franz Joseph begleiteten die Monarchie über ein halbes Jahrhundert. Die Ausgabe von 1858/59 mit dem geprägten Kaiserkopf und die Ausgabe von 1867 (grober und feiner Druck) enthalten viele preiswerte Marken – aber auch echte Schätze: seltene Farbtöne, Fehldrucke und vor allem gut erhaltene ungebrauchte hohe Werte. Während gestempelte Standardstücke oft nur 2 € – 20 € bringen, erreichen seltene Typen und Nuancen 500 € bis über 2.000 € je nach Erhaltung. Auch hier gilt: Erst die exakte Typenbestimmung macht aus einer Kistchen-Marke ein Auktionslos.

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5. Die Geburtstagsausgabe von 1910

Zum 80. Geburtstag Kaiser Franz Josephs erschien 1910 eine prachtvolle Serie in Großformat mit Porträts der Habsburger. Die niedrigen Heller-Werte sind erschwinglich, doch die hohen Kronenwerte (2, 5 und besonders 10 Kronen) wurden nur in kleinen Mengen verkauft. Postfrische Spitzenwerte erzielen je nach Erhaltung 200 € bis 2.000 €, komplette postfrische Serien entsprechend mehr.

6. Flugpost 1918 – die ersten Luftpostmarken

Im März 1918 richtete Österreich-Ungarn die Luftpostlinie Wien–Krakau–Lemberg ein – eine der ersten regelmäßigen Luftpostverbindungen der Welt – und überdruckte dafür drei Marken mit „FLUGPOST". Einzelmarken sind mit 20 € – 150 € noch greifbar, aber Abarten wie der seltene Aufdruck auf grauem statt weißem Papier sowie echt gelaufene Flugpostbriefe aus den wenigen Betriebsmonaten bringen mehrere hundert bis über 1.000 € je nach Erhaltung.

7. Der WIPA-Block von 1933

Zur Wiener Internationalen Postwertzeichen-Ausstellung (WIPA) 1933 erschien Österreichs berühmtester Block: vier Marken mit einem Postkutschen-Motiv nach Moritz von Schwind, gedruckt in kleiner Auflage und schon damals nur mit hohem Zuschlag erhältlich. Postfrische Blocks in tadelloser Erhaltung liegen meist bei 2.000 € – 6.000 €, Luxusstücke darüber – Blocks mit Fingerspuren oder Haftstellen deutlich darunter. Auch die WIPA-Einzelmarke auf Faserpapier (mit eingearbeiteten farbigen Seidenfasern) ist mit 300 € – 900 € je nach Erhaltung ein gesuchtes Stück.

8. 10 Schilling Dollfuß (1936)

Die dunkelblaue 10-Schilling-Marke mit dem Porträt von Engelbert Dollfuß von 1936 hatte den höchsten Nennwert ihrer Zeit – 10 Schilling waren damals sehr viel Geld, entsprechend winzig war die verkaufte Auflage. Heute ist sie eine der teuersten österreichischen Marken des 20. Jahrhunderts: postfrisch je nach Erhaltung etwa 1.500 € – 6.000 €, gestempelte echte Exemplare ebenfalls stark gesucht. Vorsicht: Es existieren private Neudrucke und Fälschungen – im Zweifel prüfen lassen.

9. Nachkriegs-Aufdruckraritäten (1945)

Im Chaos des Jahres 1945 wurden Hitler-Kopf-Marken des Deutschen Reichs mit Aufdrucken für die neue Republik weiterverwendet – der Grazer Aufdruck und der Wiener Aufdruck „Österreich" sind die bekanntesten Provisorien. Die meisten Werte sind billig, doch seltene Aufdrucktypen (etwa kursive Varianten der Grazer Ausgabe und die hohen Markwerte) erzielen mit Attest 100 € bis 5.000 € je nach Erhaltung. Gerade hier wird viel gefälscht: Aufdrucke ohne Prüfzeichen sollten grundsätzlich misstrauisch machen. Der Renner-Block von 1946 (vier Kleinbogen zugunsten von Karl Renner) ist mit 300 € – 800 € je nach Erhaltung ein weiterer moderner Klassiker.

Woran erkennt man wertvolle österreichische Briefmarken?

Bei österreichischen Klassikern entscheidet fast immer die Variante, nicht das Motiv. Achten Sie auf diese Punkte:

Checkliste für die Bestimmung

  • Papiersorte: Handpapier vs. Maschinenpapier bei der Ersten Ausgabe 1850 – geripptes Papier ist die große Ausnahme und ein Vielfaches wert.
  • Typen und Farbtöne: Bei 1850er- und Franz-Joseph-Ausgaben trennen Untertypen und seltene Nuancen die 5-€-Marke vom vierstelligen Sammlerstück.
  • Stempel: Klare, vollständige Ortsstempel (besonders seltene Orte in Lombardei-Venetien oder Ungarn) erhöhen den Wert; unleserliche Stempel drücken ihn.
  • Zähnung und Erhaltung: Bei gezähnten Ausgaben zählen intakte Zähne, Zentrierung und volle Originalgummierung – „postfrisch" bringt oft ein Mehrfaches von „ungebraucht mit Falz".
  • Fälschungswarnung Merkur & Aufdrucke: Zinnoberroter Merkur, Dollfuß und 1945er-Aufdrucke werden massiv gefälscht – hochwertige Stücke nie ohne Attest eines anerkannten Prüfers kaufen oder verkaufen.

So bewerten Sie Ihre österreichischen Briefmarken

  1. Bestimmen Sie die genaue Ausgabe – Jahr, Wert, Papiersorte und ANK- oder Michel-Katalognummer. Die StampScan-App kann dies anhand eines Fotos leisten.
  2. Beurteilen Sie den Zustand mithilfe unseres Bewertungsratgebers – Zentrierung, Ränder, Gummierung und Stempelqualität sind bei Klassikern entscheidend.
  3. Prüfen Sie aktuelle Verkaufspreise auf eBay und bei Auktionshäusern in Wien und Deutschland oder nutzen Sie den Briefmarken-Wertrechner.
  4. Lassen Sie hochwertige Klassiker attestieren – Merkur-Raritäten, WIPA-Block, Dollfuß und 1945er-Aufdrucke sollten vor dem Verkauf immer geprüft werden.

Österreich ist nicht das einzige starke Sammelgebiet im deutschsprachigen Raum: Unser Ratgeber Wertvolle Schweizer Briefmarken behandelt die Kantonalmarken und die Basel-Taube, und Seltene deutsche Briefmarken zeigt die wichtigsten Raritäten Deutschlands. Wie Sie den Wert einer beliebigen Marke Schritt für Schritt bestimmen, erklärt der Beitrag Briefmarken Wert ermitteln.

Häufige Fragen zu österreichischen Briefmarken

Welche ist die wertvollste österreichische Briefmarke?

Die wertvollste österreichische Briefmarke ist der Zinnoberrote Merkur von 1851, eine Zeitungsmarke, von der nur eine Handvoll echter Exemplare bekannt ist. Er gehört zu den größten Raritäten Europas und erzielt je nach Erhaltung Preise von etwa 40.000 € bis weit über 100.000 €. Ebenfalls sehr wertvoll sind seltene Typen der Ersten Ausgabe von 1850, der WIPA-Block von 1933 und die 10-Schilling Dollfuß von 1936.

Sind Briefmarken aus der österreichischen Monarchie etwas wert?

Viele Marken der Kaiserzeit sind häufig und nur wenige Euro wert, aber es gibt bedeutende Ausnahmen: die Erste Ausgabe von 1850 auf Handpapier oder geripptem Papier, seltene Typen und Farbtöne der Franz-Joseph-Ausgaben, die hohen Kronenwerte der Geburtstagsausgabe 1910 und Marken für Lombardei-Venetien. Entscheidend sind exakte Bestimmung, Papiersorte, Stempel und Erhaltung – dieselbe Marke kann 2 € oder 2.000 € wert sein.

Was ist der Zinnoberrote Merkur wert?

Ein echter Zinnoberroter Merkur von 1851 wird je nach Erhaltung im hohen fünf- bis sechsstelligen Bereich gehandelt – grob 40.000 € bis über 100.000 €, Spitzenstücke auch deutlich mehr. Da die Marke extrem selten und eine der am häufigsten gefälschten Marken Europas ist, gilt: Ohne Attest eines anerkannten Prüfers ist kein Exemplar als echt zu behandeln.

Ist der WIPA-Block von 1933 wertvoll?

Ja. Der WIPA-Block von 1933, herausgegeben zur Wiener Internationalen Postwertzeichen-Ausstellung, ist der berühmteste Block Österreichs. Postfrische Blocks in einwandfreier Erhaltung liegen je nach Zustand meist zwischen 2.000 € und 6.000 €, besonders schöne Stücke darüber. Auch die WIPA-Einzelmarke auf Faserpapier ist deutlich mehr wert als die normale Ausgabe.

Wo kann ich österreichische Briefmarken verkaufen?

Gängige Optionen sind eBay für marktgängige Marken, spezialisierte Auktionshäuser in Österreich und Deutschland für bessere Stücke sowie Fachhändler für eine schnelle Abwicklung. Ermitteln Sie vor dem Verkauf den realistischen Marktwert – etwa mit der StampScan-App anhand tatsächlicher Verkaufspreise – und lassen Sie hochwertige Raritäten wie Merkur-Marken oder den WIPA-Block vorher prüfen und attestieren.

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